China ist auch im Bereich Erneuerbarer Energien zur
Großmacht aufgestiegen. Doch die Volksrepublik betreibt keine
nachhaltige Energiewirtschaft. Der Marktzugang für ausländische
Unternehmen bleibt unfair beschränkt. H.P. Martin legte im Rahmen der
EU-China-Delegation ein Grundsatzpapier vor und fordert eine neue
EU-Strategie.
Auszüge:
"China ist auch im Bereich Erneuerbare Energien zur globalen
Großmacht aufgestiegen. Es investiert mehr als jeder andere
Nationalstaat in Wind- und Wasserkraft, die Nutzung von Sonnenenergie,
Biomasse sowie Energie aus Abfall. Im Jahr 2011 waren es bereits 52
Milliarden US-Dollar, in den USA 51, in Deutschland 31 Milliarden. Alle
27 EU-Staaten kamen gemeinsam auf 107 Milliarden US-Dollar.
Allein in Windkraft will die chinesische Regierung in Zukunft zwölf
Billionen Yuan (knapp 1,5 Billionen Euro) investieren. Bis 2050 soll
Windenergie dadurch 17 Prozent des chinesischen Energiebedarfes
abdecken.
Zunehmend ist China auch Spitzenreiter beim Technologieexport im
Bereich der Erneuerbaren Energien. 2011 stammten schon 59 Prozent der in
Deutschland verbauten Photovoltaikmodule von chinesischen Herstellern.
Im Jahr 2010 wurden nach einer Untersuchung von PwC's PRTM Management
Consulting 45 Prozent des globalen Umsatzes mit Photovoltaikmodulen und
-anlagen von chinesischen Produzenten erwirtschaftet. Sie verdienten
dadurch 59 Prozent (2 Mrd. Euro) des global erwirtschafteten Gewinns
(3,4 Mrd. Euro), während der Profit amerikanischer und deutscher
Produzenten auf respektive 17 Prozent und 8 Prozent fiel.
Obwohl europäische Hersteller in verschiedenen Fertigungsbereichen
(etwa Offshore-Windparks) den chinesischen Konkurrenten (noch) überlegen
sind, verlieren sie in China und weltweit zunehmend Marktanteile. Die
wichtigsten Gründe: chinesische Subventionen, Preisdumping und unfaire
Praktiken – etwa, dass ausländische Hersteller in China in einigen
Bereichen nur Minderheitsanteile an Joint Ventures halten können.
Chinesische Staatsbanken vergeben an chinesische Großunternehmen oft
auch Kredite mit marktwirtschaftlich nicht zu rechtfertigende Zinsraten.
Erneuerbare Energien werden im aktuellen 12. Fünfjahresplan Chinas
als "strategische Wachstumsindustrie" eingestuft, allerdings zuzüglich
Atomkraft und "sauberer Kohle". Eine auf eine „Energiewende“ im
originären Sinn – also auf eine tatsächlich nachhaltige
Energiewirtschaft - gerichtete Politik ist damit (noch) nicht
verbunden.
Für die chinesische Führung steht vielmehr eine möglichst
reibungslose, sichere Energieversorgung im Vordergrund – im Rahmen des
stets propagierten Ideals einer „harmonischen Gesellschaft“. Die
Investition in Erneuerbare Energien ist deshalb stets auch Teil der
Investitionen in den eigenen Machterhalt.
Die Entwicklungen in China sind also nicht bestimmt durch eine
innere Überzeugung im Sinne der Nachhaltigkeit, sondern von
Pragmatismus, der sich auch wieder anderen Vorgehensweisen zuwenden
kann, also auch einer neuen Phase rückhaltloser Nutzung von Öl, Kohle
und Gas.
In diesem Zusammenhang kommt dem realen Erfolg der in der EU
propagierten „Energiewende“ eine entscheidende Bedeutung zu. Gelingt
sie, wird China mitziehen und könnte sogar zum Vorreiter werden.
Im Rahmen einer neuen Strategie sollte die EU ihre
energiepolitischen Kooperationsprogramme mit China - wie etwa für das
EU-China Clean Energy Centre und das EU-China Institute for Clean and
Renewable Energy - auf die Erneuerbaren Energien beschränken. Die
Begrenzung ist notwendig, um einer lediglich ‚kohlendioxidarmen‘
Energiewirtschaft inklusive Atomindustrie zu entkommen.
Die EU als wichtigster Handelspartner der Volksrepublik China kann
und sollte europäischen Unternehmen endlich einen ebenbürtigen
Marktzugang zum chinesischen Markt ermöglichen. Vor allem bei
öffentlichen Ausschreibungen werden ausländische Unternehmen
diskriminiert.
Durch das Beitrittsprotokoll Chinas zur Welthandelsorganisation
(WTO) müssen andere WTO-Staaten die VRC erst ab 2016 als
‚Marktwirtschaft‘ anerkennen. China drängt aber schon vorab auf diesen
Status, weil er unter Anderem Anti-Dumping-Verfahren gegen chinesische
Produzenten erschweren würde. Eine vorzeitige Anerkennung als
Marktwirtschaft sollte die EU aber etwa von faireren Kreditbedingungen
für europäische Unternehmen in China abhängig machen, insbesondere im
Bereich der Erneuerbaren Energien."
Das gesamte Dokument zum Herunterladen:
Meldung vom 12.7.2012
Quelle: HPMartin.net und Atomticker.eu
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen